Südamerikareise 2010


Mein Reisetagebuch...

Peru | April- Mai 2010 written 10.07.2010

Von der Grenze bei Aguas Verdes fuhr ich direkt nach Tumbes, um mein peruanisches Telefon zu aktivieren. Leider war meine SIM-Card länger als 3 Monate nicht aktiv, so musste ich mir eine neue kaufen. Auf der PANAM südwärts veränderte sich die Landschaft sehr schnell. Während es in Ecuador und Nordperu noch grün und fruchtbar ist wird es südwärts wüstenhaft. Lediglich wo bewässert werden kann ist es grün und fruchtbar und es wird intensiv genützt. In der Nähe von Zorritos verbrachte ich die erste Nacht in Peru direkt am Meer. www.casagrillo.net



Bild Manorca

Immer südwärts auf der PANAM bis Mancora wo ich die nächsten 2 Nächte im Hostal La Posada verbrachte und am Tag im 27 Grad warmen Meerwasser meine Schwimmkenntnisse verbesserte. Anschließend fuhr ich an einen Tag über Sullana, Piura, Chiclayo bis Huanchaco bei Trujillo. Nur kurze Teilstücke sind auf der PANAM etwas schlecht, ansonsten ist diese Straße perfekt ausgebaut bis auf die lästigen Ortsdurchfahrten mit den vielen Rompe Muelle (das sind Hügeln mit unterschiedlicher Höhe und Bauart um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf Schritttempo zu drosseln). Oft sind diese Asphalt- oder Betonhügel nicht mit Schildern oder mit Farbe gekennzeichnet und das macht sie besonders gefährlich. Fährt man schon mit ca. 20 km/h darüber fliegt man schon ans Autodach oder die Vorderachse ist gleich kaputt. Diese Hügel können nerven, besonders dann wenn sie absolut sinnlos für die Sicherheit sind – aber so ist es halt.



Bild Huanchaco

In Huanchaco blieb ich 2 Nächte im Hotel Garden www.huanchacogardens.com wo es einen Stellplatz für Wohnmobile gibt. Von hier fuhr ich dann an einen Tag über Santa und durch den Canon del Pato (diese Straße ist spektakulär, über 30 Tunnels wurden in den Felsen gesprengt um hier ein Kraftwerk zu errichten) nach Caraz und am späten Nachmittag erreichte ich Cashapampa.

Hier in Cashapampa wohnen Pedro jun. und Cristian Huaman. Beide sind inzwischen geprüfte peruanische Bergführer und beide sprechen deutsch. Sie waren insgesamt ca. 8 Monate in Österreich und beide sind sogar Tiroler-Schilehreranwärter. Ihr Hausberg ist praktisch der Alpamayo mit 5947m, den sie in 2 Tagen erreichen können. Er wird auch als schönster Eisberg der Welt bezeichnet.

Im Haus von Pedro sen. habe ich meine verschiedenen Ausrüstungssachen deponiert, von denen ich nun etwas für meine Weiterreise benötige. Ich blieb hier 2 Nächte und dann fuhr ich mit Pedro jun. nach Huaraz wo wir verschiedene Bekannte besuchten. Tags darauf machten wir gemeinsam eine ausgedehnte Tageswanderung zur Laguna Llacca auf 4500m. Auch ließ ich mir hier in Huaraz in einer Schlosserei einen neuen Dachträger für meine Dachbox zusammen schweißen. Meine Thuleträger hatten bereits Risse an den Auflagesockeln durch die schlechten Straßen die ich gefahren bin.

Während Pedro wieder zurück nach Cashapampa fuhr, blieb ich einige Tage in dieser Region und machte einige Akklimatisierungstouren. Mein Ausgangspunkt und Übernachtungsplatz war www.thewayinn.com auf ca. 3700m, wo ich mit meinen KIA auf dem Campingplatz bestens stand. Es gibt hier sogar eine Sauna (hier grüsse ich mal meine Saunafreunde vom Alpenbad in Unken) und die Lage ist absolut fantastisch mit Blick auf 5 und 6tausender.



Bild Lima

Nach einigen Tagen fuhr ist dann nach Huaraz und über den Conocochapass wieder an die Küste auf die PANAM. In Barranca legte ich noch eine Zwischenübernachtung ein bevor ich am nächsten Tag Lima, die Hauptstadt Perus, erreichte. Diese ca. 10Millionenstadt hat eine riesige Nordsüdausdehnung von ca. 70 km. Gott sei Dank habe ich in meinen GPS-Gerät den Stadtplan von Lima (hier möchte ich mich bei meinen Bergfreund Helmut Schiele aus Bielefeld recht herzlich bedanken, der mir alle Stadt- und Straßenpläne von Südamerika vom Internet auf eine Micro-SD-Karte geladen hat, Helmut, es ist unglaublich wie gut die Sache funktioniert) und so war es für mich leicht meinen Standplatz im Hostal Hitchhikers in Miraflores (Stadtteil von Lima) www.hhikersperu.com mittels GPS-Daten zu finden.

Viele Reisende mit eigenem Fahrzeug nutzen diesen zentralen Stellplatz in Lima und auch ich traf hier verschiedene Reisende aus Deutschland und Frankreich. Man tauscht dann Erfahrungen aus bzw. man informiert sich über die Sicherheitslage oder auch andere Stellplätze in anderen Städten. Da mir meine Photovoltaikanlage Probleme machte, suchte ich am Elektronikmarkt in der Avenida Grau einen entsprechend guten Laden mit Werksstätte auf, den ich auch nach mehreren Fragen fand. Natürlich sind die hier in Lima auch mit 12Voltanlagen bestens vertraut und nachdem der Techniker feststellte, daß mein Laderegler defekt ist, wechselte er ihn aus und der Schaden von der nicht mehr ladbaren Batterie war behoben. Zusätzlich hatte ich mir vorgenommen hier in Lima für meinen KIA eine Kfz-Versicherung zu kaufen, die den Schaden beim anderen Unfallbeteiligten abdeckt. Im Internet und bei anderen Reisenden habe ich mich bereits ausgiebig informiert und so dachte ich, dass die Sache relativ einfach und in einigen Stunden erledigt ist – aber nicht in Südamerika!!

Da ich bereits von anderen Reisenden die genaue Information über Ort, Namen und Ansprechperson der Versicherung La Positiva in Lima hatte war es für mich einfach diese Person nach mehrmaligen Fragen im 20stöckigen Versicherungsgebäude ausfindig zu machen. Zuerst war alles ganz einfach aber als festgestellt wurde, dass mein Fahrzeug ein LKW ist, war die Sache ganz anders. Es wurde erst mal bei anderen (wahrscheinlich vorgesetzen Personen) nachgefragt, wie das mit einen ausländischen LKW ist und ob überhaupt eine Versicherung möglich ist. Nach mehreren Stunden Warten bekam ich dann die Information ja es ist möglich, bekomme die Polizze aber erst in 4 Tagen. Die Versicherung ist nur für ein volles Jahr möglich, kostet 400 USD und ist gleich zu bezahlen. Also zahlte ich und nahm auch die 4 Tage Wartezeit in Lima in kauf. Habe mir für diese Zeit schon einen Ausflug in die Anden vorgenommen wo ich eigentlich eh hin wollte.



So fuhr ich dann am nächsten Tag nach Canta das bereits auf 2500m Höhe in den Anden liegt. Hier scheint oberhalb des Nebel und Dunstes der Großstadt die Sonne wo herrliche Terrassenfelder mit verschieden Getreide- und Gemüsefeldern die Landschaft beherrschen und die Luft klar und sauber ist. Von Canta führt eine Straße nach Cerro de Pasco das schon mehr auf der Ostseite der Anden liegt. Ich wusste, dass diese Strecke landschaftlich wunderschön sein soll, jedoch übertraf sie meine Vorstellungen bei weitem.

Die sehr gute Piste führt zuerst in unendlichen Kurven, die der Landschaft angepasst sind, hinauf auf den Pass La Viuda auf 4900m. Danach geht es nur wenig bergab, man bleibt auf einen Hochplateau von ca. 4500m, fährt an einigen 5000er Bergen vorbei und kommt zum nächsten Pass La Cruzada, der ebenfalls wieder 4900m hoch ist. Auf dem Hochplateau befinden sich Lagunen (Seen) mit allen möglichen Farben und dazwischen weiden Schafe, Alpacas und Lamas – einfach eine großartige Andenlandschaft. Vom Pass La Crusada geht’s dann bergab nach Huayllay, wo auf 4400m eine gewaltige Thermalquelle mit fast 60 Grad heißen Wasser aus dem Boden kommt.

Nach dieser großartigen Fahrt über die Anden genoss ich im Thermalbecken noch mein großes Glück welches ich bei der Fahrt übers Plateau hatte. Warum? – bei der Fahrt übers Plateau traf ich schon auf einige 20-30 cm tiefe Auskehrungen fürs Wasser, doch einmal, ich war etwas schneller dran, sah ich eine solche Auskehrung sehr spät. Vielleicht war ich etwas unaufmerksam oder das Licht war schlecht, auf alle Fälle fuhr ich nur wenig abgebremst in diesen Wassergraben. Zuerst dachte ich meine Vorderachse ist eh weg und meine Reise ist zu Ende – doch oh Wunder mein KIA überstand diese Selbstzerstörung ohne Schaden.



Etwas außerhalb von Huayllay besuchte ich den weltweit größten Steinwald mit Felszapfen bis zu 100m Höhe und allen möglichen Felsfiguren – eine unglaubliche Vielfalt von Felsformationen, ein absolutes Naturwunder (www.munihuayllay.gob.pe). Von hier fuhr ich direkt wieder auf guter Asphaltstraße über Junin, La Oroya, Paß Ticlio 4810m, Matucana, Chosica zurück nach Lima in mein bekanntes Quartier in Miraflores.



Am nächsten Tag führte mich mein Weg direkt zur Versicherung La Positiva um meine Versicherungspolizze in diesen 20Stock Wolkenkratzer zu holen. Gut gelaunt im 11. Stock nun bald meine Polizze zu haben ging ich zur entsprechenden Sachbearbeiterin. Diese erklärte mir dann recht verhalten, dass die Polizze immer noch nicht fertig ist - worauf ich ihr wortstark erklärte ich möchte mein Geld zurück weil ich mir nun eine andere Versicherung suche und außerdem nicht länger warten kann weil ich in 5 Tagen in La Paz/Bolivien sein muss.



Daraufhin verschwand die Dame, kam aber nach ca. 10 Minuten mit einer anderen Dame zurück die sich überhöflich entschuldigte wegen der nicht vorliegenden Polizze. Schließlich einigten wir uns (natürlich nach einer entsprechenden Diskussion), dass ich die Polizze im Büro in Arequipa (wo ich eh Station auf dem Weg nach La Paz mache) bekomme, mit den Versprechen dass sie dort fertig aufliegt. Etwas missmutig verließ ich dieses Hochhaus, kämpfte mich anschließend durch den Verkehr in Lima um auf der PANAM südwärts bis Nazca zu fahren dass ich am späten Nachmittag erreichte. Im Hotel Nido de Condores gibt es Campingplatz wo man sehr gut mit dem Auto steht und außerdem das Hotelschwimmbad mitbenützen kann.



Tags darauf nahm ich die etwas längere Etappe nach Arequipa locker in Kauf, da ich das Glück hatte, bei guter Sicht und bestem Wetter diese Strecke zu fahren. Normal ist hier bereits um Anfang Mai der Humboldstrom wirksam und an der Küste hat man Nebel mit teilweise nur 30 Metern Sicht. Der Humboldstrom bringt von der Antarktis verstärkt in den Monaten Mai bis September das kalte Wasser nordwärts bis auf die Höhe der Stadt Piura und dadurch entsteht an der Küste Peru der Nebel. Teilweise ist der Nebel so stark (besonders im Juli und August) dass es daraus nieselt, die Peruaner nennen es Garua und in Lima ist ca. 3 Monate lang tagsüber keine Sonne zu sehen. Arequipa erreichte ich gegen 4 Uhr nachmittags und im Hostal Las Mercedes gibt es einen Stellplatz mit Camping. Natürlich suchte ich noch das Büro der Versicherung La Positiva auf, um meine Polizze zu holen und wieder war sie nicht fertig. Endlich nach einer guten Stunde Wartezeit hatte ich sie in den Händen – von einem leitenden Angestellten mit den Worten überreicht, dass es keine leichte Arbeit war, diese Polizze auszustellen. Auf die Frage, Warum? sagte er mir dass sie die ganze Versicherungspolizze mit den vielen Seiten der Bedingungen neu schreiben mussten. Ich fragte nichts mehr und ging einfach davon. Nach einer guten Pizza mit schöner Sicht auf die herrliche Plaza in Arequipa fiel ich hundemüde in meinen KIA. Der nächste Tag bringt für mich ja wieder eine Fahrzeit von 7 bis 8 Stunden da ich mir den etwas längeren Weg über Moquegua ausgesucht habe. Jedoch hat sich der weitere Weg als sehr interessant und mit landschaftlichen Highlights herausgestellt.



Von Arequipa bis Moquegua fährt man teilweise bis zu 30 km schnurgerade dahin, das Gelände ist total wüstenhaft aber sehr abwechslungsreich. Nach einem Almuerzo (Mittagsessen) in der Markthalle in Moquegua fuhr ich noch bis Torata wo ich auf einen Hotelparkplatz sicher und ruhig stand. Von Moquegua nach Desagüadero am Titicacasee gibt es seit 2 Jahren eine neue Strasse, perfekt asphaltiert und landschaftlich superschön mit vielen Kurven perfekt der Landschaft angepasst, windet sich die Straße über 3500 Höhenmeter hinauf aufs Altiplano. Altiplano nennt man eine Hochebene zwischen 3900 m und 4500 m die sich vom La Rayapaß in Peru, praktisch durch ganz Bolivien bis Nordargentinien erstreckt. Die Strecke ist fast menschenleer - nur kleinere Ortschaften liegen am Weg - dafür mehr Alpacas und Vicunas und höchster Punkt ist ein namenloser Pass mit 4700m. Am frühen Nachmittag erreichte ich die Grenze bei Desagüadero, die Abfertigung war schnell und problemlos in einer Stunde erledigt und so reiste ich am 13. Mai nach Bolivien ein.




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